Charaktere

Corin Giles

Der fünfzehnjährige Corin Giles, mit seinem Bruder in Luxemburg aufgewachsen, hat schon früh seine Abneigung für das väterliche Handwerk, die Tuchweberei, entdeckt. Die Schmiede des benachbarten Meisters war ihm ein viel willkommenerer Aufenthaltsort. Wie auch sein Bruder hat er dort seit frühesten Jahren auf spielerische Weise den Umgang mit Waffen gelernt und sich aufgrund seiner Begabung schnell zu einem großen Könner entwickelt.

Das Verhältnis zu seinem Bruder Jonathan ist zwar von unausgesprochener Zuneigung geprägt. Häufig geht ihm der Ältere mit seinem spießigen Gehabe aber gehörig auf die Nerven. Doch der Vater hat nur wenig Zeit für den Jungen, die Mutter ist kurz nach Corins Geburt gestorben. So bleibt Jonathan für ihn die einzige Vorbildfigur, der große Bruder zu dem man irgendwie aufschaut – aber den man auch ständig neckt und provoziert.

Seine Zukunft, das ist für den quirligen Corin sonnenklar, liegt nicht in einer muffigen Tuchmacherei. Er will weit hinaus in die Welt, Abenteuer erleben, gegen die Bösen kämpfen und das Gute verteidigen. Piraten sind ein großes Vorbild für ihn, Sinnbild für grenzenlose Freiheit und Selbstverantwortung. Dabei hat Corin nicht den geringsten Schimmer was Selbstverantwortung bedeutet. Politik oder auch individuelle menschliche Schicksale haben durch seine ausgeprägte Naivität keinerlei Bedeutung. Eine Naivität, die sich für Corin noch bitter rächen wird.

Jonathan GilesJonathan Giles, 20, teilt zwar mit seinem kleinen Bruder Corin die Begeisterung für Waffen und Kampfsport. Anders als Corin ist Jonathan aber durchaus mit dem Konzept von Verantwortung vertraut. Das mag zum einen an seinem höheren Alter liegen, zum anderen aber an seinem Pflichtgefühl seinem kleinen Bruder gegenüber. Seit frühester Kindheit hat er sich um Corin gekümmert und für ihn gesorgt. Anders als Corin glaubt Jonathan an die Notwendigkeit von Ordnung – für ihn ist es keine Frage, dass er aus reinem Pflichtgefühl dem Vater gegenüber sogar die ungeliebte Tuchmacherei weiterführen würde. Wäre er jedoch frei, würde er ohne Zweifel als Ritter für Gesetz und Tugend kämpfen. Mit diesem Ideal beweist er aber wie sein Bruder eine gehörige Portion Naivität.

Sein Glaube an die Rechtschaffenheit wird ihm schwere Enttäuschungen bereiten, und langsam wird er verstehen, dass eben nichts in der Welt wirklich unkompliziert ist -  insbesondere, wenn Menschen und Mächte mit unterschiedlichen Interessen aufeinander prallen.

BroklasBroklas ist sicherlich kein Held im klassischen Sinne, im Gegenteil, physischen Auseinandersetzungen geht der schottische Wissenschaftler gerne aus dem Weg. Hingebungsvoll übernimmt er die Rolle des wachsamen Mentors für Corin, so wie schon vor drei Jahrzehnten für die Königin Margarete.

Sein seltsames Äußeres provoziert schnell einen unbedachten Kommentar. Broklas kleidet sich in ein wallendes, rotes Gewand und mit seinem grauweißen langen Bart sieht er für das abergläubische Volk des vierzehnten Jahrhunderts eher aus wie ein Zauberer, als ein Naturgelehrter. Diese Tatsache bedeuten für Broklas eine ständige Provokation, hasst er doch alles unwissenschaftliche, abergläubische, irrationale.

Seiner Zeit um viele, viele Jahrzehnte voraus, hat er für sich eine Antwort auf den Sinn seiner Existenz gefunden. Er glaubt an die Unsterblichkeit von Ideen und gesammeltem Wissen, die in einer idealen Gesellschaft von Generation zu Generation weitergegeben werden und eines fernen, fernen Tages in vollendeter Erkenntnis münden.

ThomasThomas Herkunft, überhaupt seine gesamte Geschichte, bleibt lange Zeit ein Mysterium. Klar ist, dass er wie Jonathan bei den Kreuzrittern im Ordensstaat seine Zukunft sieht. Oder ist es nur eine Zuflucht? Eine Zuflucht in der Höhle des Löwen?

Wie dem auch sei, Thomas, der etwa so alt ist wie Jonathan, ist ebenso wie die Brüder Giles mit außergewöhnlichem Kampftalent gesegnet. Möglicherweise wegen seines jungenhaften Aussehens und den langen Haaren wird Thomas' Fähigkeit im Umgang mit dem Schwert häufig unterschätzt. Ein Fehler, den einige Gegner mit dem Leben bezahlen.

Schnell verbindet Tom und Jonathan eine tiefe Freundschaft, eine Freundschaft, die Thomas nachhaltig prägen wird. Dass er dennoch einen großen Schmerz mit sich herumträgt, bleibt seinem Luxemburger Kumpan jedoch nicht verborgen.

Königin MargareteKönigin Margarete I. ist die wichtigste historische Persönlichkeit unter den Hauptcharakteren. Aufgewachsen in einem Kloster und stark geprägt von der strengen Religiosität der Birgittinerinnen, wurde sie bereits mit 10 Jahren dem norwegischen König zur Frau gegeben. Der frühe Tod von Vater, Mutter, Bruder und einzigem Sohn hat sie nicht nachhaltig erschüttern können. Mit großem diplomatischem Geschick hat Margarete es verstanden, die sie umgebenen Mächte in ihrem Sinne zu beeinflussen. Ihr Lebenswerk, die Schaffung einer skandinavischen Großmacht, einer Union aller Nordländer, hat sie konsequent verfolgt und durchgesetzt.

Margarete war äußerst geschickt und kalkulierend, das haben schon ihre Zeitgenossen anerkennend notiert. Die emotionale Abhängigkeit zu Sven Sture, die unerwiderte Liebe, entzünden in ihr jedoch einen mörderischen Konflikt, hin- und hergerissen zwischen Pflicht und Verlangen; es sei jedoch angemerkt, dass das Verhältnis zu ihrem ehemaligen Heeresführer Sture historisch nicht belegbar und somit erfunden ist.

Margaretes Vergangenheit, ihre Schicksalsschläge, ihre Rückschlage neben den Erfolgen, mag die Entwicklung zu einem verbitterten, eiskalten Charakter nahe legen. Dass dem aber nicht so ist, macht die wahre Größe dieser faszinierenden Persönlichkeit aus.

Charlotte JaggerTemperament ist für die schöne junge Kaufmannstochter Charlotte Jagger kein Problem. Für ihre Umwelt dafür umso mehr. Auf Gotland sucht sie die Interessen der internierten Kaufleute zu vertreten, zumal ihr Vater als umsichtiger Ratsherr ihrer Meinung nach auf ganzer Linie versagt.

Charlotte ist ein Energiebündel par excellence. Ein Zusammenstoß mit dem ebenfalls quirligen Corin Giles muß zwangsweise in einer Katastrophe enden. Vielleicht aber auch genau im Gegenteil.

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Das wird ein Klassiker, wetten?

Ich kann nur sagen, das außergewöhnliche Konzept funktioniert. Es funktioniert sehr, sehr gut! Es hat noch nie ein Buch gegeben, bei dem ich so viel lachen musste - und trotzdem sorgt man sich wirklich, ernsthaft, intensiv um die Hauptcharaktere.

Wer das ganze allerdings zu leicht nimmt und die eher kindlich-naive Aufmachung des Anfangs für bare Münze nimmt, dem wird das Lachen noch ganz schön im Halse stecken bleiben.

Peter Maybach

Sehr viel Blut. Noch mehr Lacher.

Dieser Roman schießt wie ein Kugelblitz daher und wer sich davon nicht mitreissen lässt, dem ist vermutlich nicht zu helfen. Lesern, die mit extremem Humor nicht umgehen können, ist allerdings von der Lektüre abzuraten.

Die strikte Trennung von realistischer Handlung und abgedrehtem Witz ist ein äußerst gelungenes Novum. Ich musste mich erst daran gewöhnen. Dann aber wird der Roman zu einer wahren Offenbarung.

Christian Jonas

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